Neuanfang – oder warum ein kaputter Zahnputzbecher auch ein Zeichen sein kann

Montag, September 30, 2019

Als ich anfing, mein Leben umzukrempeln, wollte ich nur zwei Dinge. Ein wenig mehr Zärtlichkeit und Liebe im Alltag sowie finanzielle Klarheit.

Gestern ist mein zweiter Zahnputzbecher kaputt gegangen. Ja, ich weiß. Das passiert. Aber für mich war es in diesem Moment anders. Ich musste so lachen. Es war wohl das letzte amtliche Zeichen vom Universum, dass ich allein bin. Und wenn ich allein bin, ist ein zweiter Zahnputzbecher völlig unnötig. Das verstehe sogar ich. 

Nach sehr turbulenten Monaten habe ich zumindest finanzielle Klarheit (auch wenn sie mir nicht gefällt), sehr viel über echte und vermeintlich echte Freunde gelernt, viele schräge (und das ist vorsichtig ausgedrückt) Ratschläge und Vorwürfe bekommen und erfahren, dass Fairness und Gerechtigkeit so gar nichts mit deutschem Recht zu tun haben.

Über Partnerschaften rede ich an dieser Stelle erst einmal nicht. Da ist einfach zu viel passiert. Irgendwie dämmert es mir aber, dass es zumindest für den Moment eine gute Idee ist, nur einen Zahnputzbecher Zuhause zu haben. Wann (und ob überhaupt) ich wieder den Kopf freihabe und mein Herz Mut findet, sich für eine neue Partnerschaft zu öffnen, wird sich zeigen.

Jetzt ist meine Situation für mich ok. Heute ist es ok, denn mit meiner Unterschrift habe ich den ersten Schritt bewusst für mich getan, meine Situation irgendwie aufzulösen. Für mich. Weinen, wüten, hoffen, bangen, dass alles sich irgendwie aufklären wird, ein Fehler passiert ist,  aus einer Ecke jemand hervorspringt und ruft: „Versteckte Kamera!“ – nichts hat geholfen, nichts ist passiert. Ich werde, dass was mir an ungerechten Sachen passiert ist, nicht verändern können. Es ist mein Weg. Vielleicht schreibe ich einmal ein Buch darüber, vielleicht auch nicht… Aber ich weiß, dass ich irgendwann für mich und finanziell wieder grad davor bin. Ich weiß, dass ich es auf meine Weise schaffe. Irgendwie.

In den nächsten Wochen und Monaten werde ich in einer 6- bis 7-Tage-Woche arbeiten, meine Zeitinseln genießen und in mich hineinhorchen, wo ich eigentlich mit dem Rest meines Lebens noch hin möchte. Was ich für mich – nur für mich – möchte, nicht als Mama, nicht als Heilpraktikerin, Dozentin, Kursleiterin, Journalistin oder als Pflegehilfskraft im Altenheim, sondern nur für mich.

Ich darf einfach sein.

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